Kein Kuchen ist auch keine Lösung.

Wer mich kennt, weiss, ich esse für mein Leben gern. Worauf ich Lust habe, wie viel ich esse, wie oft und in welchen Situationen, sagt sehr viel darüber aus, wie ich mich fühle. Mit gnädigen Genen gesegnet, schlagen meine Sünden nicht allzu arg zu Buche, doch ein bisschen muss auch ich auf die Linie achten. Seit zwei Wochen jogge ich wieder regelmässig, doch leider bin ich weder schnell genug noch reicht meine Kondition, um weit genug zu rennen, dass ich das Gegessene mit Bewegung wieder ausgleichen könnte.

Ein Mensch, der wie ich, dazu neigt, streng mich sich zu sein, setzt sich gerne unrealistische Ziele: Ich esse nichts mehr Süsses, ab sofort lasse ich das Frühstück oder das Abendessen weg, statt meinem heissgeliebten Glace gibt’s nur noch Früchte oder Nüsse. Tolle Idee, doch die Umsetzung gestaltet sich reichlich unsexy.

Was ich dir damit sagen will: Jeder hat seine Themen, an denen er sich festbeisst (schöne Formulierung im Zusammenhang mit der Ernährung, finde ich). Der eine tut sich mit Aufräumen schwer, der andere hat Mühe, bei seiner Ernährung einen gangbaren Weg zu finden. Warum unterstützen wir uns nicht einfach gegenseitig? Mir käme es zum Beispiel nie in den Sinn, mit Mitte 50 meine erste Steuerklärung selber auszufüllen oder nähen zu lernen.

Alles machbar, doch ich hab‘ einfach keinen Bock drauf. Und es gibt Menschen, die tun das richtig gerne und – noch viel wichtiger – richtig gut. Und denen bezahle ich gerne gutes Geld, damit sie einen super Job machen. Derweil kümmere ich mich um das, was Spass macht, mir leicht fällt und von dem ich weiss, dass ich einen wesentlichen Beitrag leisten kann.

Je klarer mir wird, was meine Aufgabe in meinem Leben ist, desto erfüllter bin ich, desto weniger brauche ich Ersatzhandlungen, wie Unmengen Süsses in mich reinzuschaufeln oder dauernd zu essen. Und je mehr ich mit meinem Innersten in Verbindung bin, desto stabiler stehe ich im Leben, im Alltag. Das fühlt sich gut an. Statt mir das Leben schwer zu machen, mache ich es mir immer häufiger ganz einfach. Wenn ich nach innen höre, ist völlig logo, wo’s für mich lang geht. Und wenn ich mich nicht entscheiden kann, gibt’s für mich offensichtlich nichts zu entscheiden.

Kann es so simpel sein? Ja.