Warum du deinem inneren Schweinehund zwischendurch mal zuhören solltest.

 

Irgendwie sieht er ja ganz schnucklig aus, findest du nicht? Wie er mit seinem Kuschelblick und den überdimensionierten Ohren so dasitzt. Und doch hält uns das süsse unschuldig dreinschauende Kerlchen ganz schön auf Trab. Auch wenn du ihn noch nie gesehen hast, du kennst ihn genau. Es ist dein innerer Schweinehund!

In meinen Referaten wurde er in der abschliessenden Fragerunde schon oft erwähnt. Wie man ihm beikommt, wenn er sich wieder mal quer über den hoffnungsvollen Motivationsschub legt. Eine Möglichkeit ist, mit ihm zu verhandeln, er liebt taktische Spielchen. So in der Art: Wenn ich diese eine Aufgabe erledigt habe, lege ich mich eine Viertelstunde aufs Ohr – Powernap auf Neudeutsch (im Büro eher nicht empfehlenswert). Oder ich gönne mir nach getaner Arbeit ein Stücklein Schokolade als Belohnung (nicht die ganze Tafel, bitte!).

Doch was tun, wenn der Kerl dauernd auf der Matte hockt und den Energiepegel dauerhaft blockiert. Was wir in solchen Augenblicken oft tun, ist uns dagegen aufzulehnen, uns noch mehr anzustrengen, nur keine Schwäche zeigen, das wäre ja gelacht, das werd‘ ich jetzt wohl noch hinkriegen…

Manchmal liegt es tatsächlich an der Disziplin und die Optionen sind dünn gesät. Es muss einfach sein und basta. Wenn du immer wieder vor der gleichen Aufgabe stehst und dich partout nicht aufraffen kannst, dann hör ganz einfach einen kurzen Augenblick auf zu kämpfen, dich dagegen aufzulehnen. Akzeptiere, dass es im Moment einfach nicht geht. Auch wenn du nicht verstehst, was da abgeht. Es soll einfach nicht sein. Nicht jetzt.

So ging’s mir die letzten Tage. Vor einer Woche kamen wir aus den Ferien retour. Gestern sagte mein Partner zerknirscht: „Unglaublich, jetzt sind wir schon so lange zurück und ich habe meine Reisetasche noch immer nicht ausgeräumt.“ Und ich bin mir sicher, er hat schon drauf gewartet, dass ich diese Aussage mit einer flotten Aufräumerinnen-Weisheit quittiere. Weit gefehlt. Ganz spontan und für mich selber überraschend hörte ich mich sagen: „Ich habe auch vier Tage gebraucht, bis ich mich aufraffen konnte.“ Sein ungläubiger Blick brachte mich zum Schmunzeln. Und ich fragte mich, weshalb ich das entgegen meiner Gewohnheit so lange vertrödelt hatte. Da wurde mir klar, dass in den letzten Wochen so vieles passiert war, du weisst, was ich meine, wenn du meinen letzten Beitrag gelesen hast, dass eine Tasche mit Wäsche drin ganz einfall null Prio hatte. Im Leben, für die Welt (meine und im Allgemeinen). Und ich spazierte täglich an der Tasche vorbei und hatte nicht mal den Impuls, etwas damit zu tun, geschweige denn, mir eine schöne Ausrede parat zu legen (für mich selber notabene). Der Zustand der unaufgeräumten Aufräumerin fühlt sich ungewohnt und friedlich an.

1:0 für Schweini – und das Wesentliche im Leben.