Der ganz normale Wahnsinn: Wo ist mein Autoschlüssel?

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Tja, Sie stehen perfekt gestyled im Flur, ein letzter Blick in den Spiegel – Ihr Outfit sitzt wie angegossen, die Frisur ist Ihnen heute wieder mal ganz speziell gut gelungen! Sie klopfen sich im Stillen auf die Schulter und schnappen sich die neue Handtasche (ein Souvenir aus Wien, ach schön war’s in der Oper und im Belvédèrepark…).

Die Aussicht auf eine Spritzfahrt im Cabrio bei strahlendem Sonnenschein zaubert Ihnen ein Lächeln aufs Gesicht. Sie greifen nach dem Autoschüssel – ins Leere. Sie runzeln ungeduldig die Stirne, das kann doch nicht sein. Gestern hatten Sie ihn doch in die kleine Lasche im Aussenfach gesteckt. Sie gucken nochmals nach – nichts. Also nö, das geht ja gar nicht. Leicht panisch durchwühlen Sie die Tiefen Ihrer ach so geliebten Tasche und plötzlich kommt sie Ihnen riesig vor. Wieder nichts. Langsam wird’s ungemütlich, Sie schauen auf die Uhr, schütteln den Kopf und reden sich gut zu: „Nur die Ruhe kann es bringen.“ Also nochmals mit System. Sie kippen den Inhalt des schmucken Stückes entnervt auf die antike Truhe, die im Vorraum steht. Meine Güte, was da alles zum Vorschein kommt! Portemonnaie, Brille, Müsliriegel, Kosmetiktäschli, Kopfhörer, Ladekabel fürs iphone und das coole Teil selbst, Visitenkartenbox, Haar- und Kaugummi, Schirm, Taschenlampe, Kugelschreiber, Kopfwehtablette (die werden Sie bald brauchen, wenn es so weiter geht). Also ziemlich alles, was frau sich denken kann – nur kein Autoschlüssel. Tief durchatmen, Sie haben nach einem entnervten Blick auf die Uhr noch fünf Minuten Zeit. Wenn kein Stau ist, werden Sie rechtzeitig eintreffen, bei Ihrem Date mit dem schnuckligen Typen aus dem Internet.

Nur wenn Sie so weitermachen, wird Sie der gute Mann nie kennen lernen. Denn Sie kommen ganz einfach nicht vom Fleck oder zu spät, was Ihnen sehr peinlich wäre, speziell beim ersten Treffen. Vor lauter Aufregung meldet sich Ihre Blase. „Menno, auch das noch!“ Sie rennen total gestresst zur Toilette und sprinten ein paar Minuten später zurück zum wilden Chaos, das Sie hinterlassen haben. Nichts, nichts und wieder nichts. Konsterniert werfen Sie die Sachen wieder in die Tasche und hängen Sie um. Wie hiess noch der Heilige, den Ihre Grossmutter in solchen Situationen immer angefleht hatte? Ach richtig, der Antonius. Ihr Draht zu ihm ist nicht besonders gut, also ist von dort eher keine Hilfe zu erwarten.

Sie drehen sich um und sehen auf der Truhe Ihren Autoschlüssel liegen, ganz unschuldig, als ob er schon immer da gewesen wäre. Und das ist er wohl auch. Denn Sie waren sich so sicher, dass er in der Tasche liegt, dass Sie die Umgebung völlig ignoriert haben. Selektive Wahrnehmung nennt sich das.

Mein ganz persönlicher Tipp für Sie: Egal, wo Sie den Schlüssel hinlegen, einfach immer an den selben Ort.